(-;-) GzN

(-;-) aufgenommen via Integrated Circuit Recorder & zeitverzögert vertextet

Mein zweiter Umzug, Teil 5


[FSK16] Bitte stellt euch nicht nur hier einen Text vor, den ich niemals gesprochen habe, sondern lest auch die Worte, die zwischen mir und dem anderen Zeitzeugen gesprochen wurden. Er hat von allen - seinerzeit jugendlichen - Mitstreitern die klarsten Erinnerungen, ganz einfach deswegen, weil es sein Ehrentag war. Ich muss seine Worte glauben, und ich tue es einfach, weil sie so lebendig wirken, so als ob das Geschehene gestern geschah. Er brachte mir jedenfalls erneut die Vergangenheit so nahe, dass ich ihm dafür einfach nur ohne ein Lektorat danken kann, bei meinen und seinen Worten. Rechtschreibfehler sind also keine Absicht, sondern ebenfalls Zeitzeugen.

ICH Dann kam der Absacker nach Nbg., das weiß ich noch ;) Na ja...
ER Und Du wolltest unbedingt nach Hause zwecks Wohnungsübergabe
ICH Weißt du noch meinen Wortlaut in etwa?
ER Aufm Weg dann Nürnberg wolltest beim Berliner Ring ausm fahrenden Auto springen. "Des geht net ich hab Wohnungsübergabe, lasst mich raus!!!!!!!!!!!!" Bist aber ca 10 Sek. später eingeschlafen.
ICH :D :D Der Brüller.
ER Kaum in Nürnberg angekommen bist wieder erwacht, und hast uns gefragt ob des jetzt unser Ernst ist.
ICH Ich mach mir gleich in die Hose! :D
ER Auf der Suche nach einer Nacktbar, sind wir in einer ziemlich Zwielichtigen Kneipe gelandet haben schnell 3 Bier getrunken und uns durchgefragt wo die nächste Nacktbar doch sei. Schließlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch Gut 300 DM einstecken, die ich unter die Leute bringen wollte.
ICH Da ist er, mein Burn-out. ;)
ER Der Wegbeschreibung folgend (Du warst schon wieder eingeschlafen) sind wir wohl verbotener Weise durch die Fußgängerzone gebrettert, Hatten Ja HAS Kennzeichen da ging des schon ;- )
ICH Es kommen immer neue Erkenntnisse auf. Sind wir nicht auf gegen eine Einbahnstraße gefahren?
ER Ja und kurz drauf waren die Herren von der Polizei hinter uns und haben uns gestoppt. Du warst aufm Beifahrersitz und hast noch gepennt
ICH Gut, ich glaub genauso hab ich das aufgesprochen. Das beruhigt mich wieder.
ER Der Bulle fragte den J....n [zensiert] wo wir den herkommen und was wir machen.
ICH J
ER Ich hab von hinten gegrölt "Wir kommen aus Bamberg, des Kennzeichen is nur Tarnung und ob er uns den Weg zur nächsten Nacktbar weisen würde"
ICH Ich bin noch voll dabei ;)
ER Erst schaute er irritiert, leuchtete dann ins Auto um zu sehen wer noch alles drin sitzt.
Als er dich erblickte, kam nur ein Was´n mit dem? In dem Moment bist aufgewacht, ein kurzes "Macht des Licht" aus und ein "sind wir immer noch in Nürnberg? Schaut mal auf die Uhr ich muß zur Wohnungsübergabe" noch ein kurzes abwinken und die Äuglein schlossen sich wieder.
ICH *krassichwar* :)
ER Dann fragte ich den Herrn was jetzt mit dem Weg zur Nacktbar ist. der schaute leicht genervt und meinte Ihr habt sowieso kein Geld dafür.
ICH Geile Poente. Das wusste ich gar nicht mehr, aber das muss auf jeden Fall mit rein.
ER Ich nahm aus meinen Geldbeutel schnell die 300 DM und winkte damit und meinte Geld is kein Thema. Wo isn jetzt die Nacktbar?
ICH J
:ER Der Bulle mittlerweile wohl leicht angepisst, meinte nur noch "Ihr fahrt jetzt nach Hause, er will uns Heute nicht mehr in Nürnberg sehen und sie fahren uns bis zur Stadtgrenze hinterher.
ICH Endgeil.
ER Aufm Weg nach Bamberg, mittlerweile Hell, überkam uns der Hunger, also schnell einen Stop am Bahnhof geplant, Frühstück beim Bäcker
ICH Oho, daran hab ich jetzt wirklich 0 Erinnerung.
ER Am Bahnhof bist auch wieder erwacht, hast auf die Uhr geschaut uns entsetzt angeschaut Kommentar "Ich muß jetzt sofort nach Hause ich hab in 1,5 Std Wohnungsübergabe, los jetzt oder ich lauf!!!"
Also kurz beruhigt, schnell zum Bäcker und dich zuhause abgeliefert. FIN

ICH Geil. Einfach geil. Aber zeitlich stimmt das. Es war so 8:30h, wo ich ausstieg, denke ich. Und um 10h war die Übergabe.

Bitte stellt euch hier nun keinen Text vor, der diesen Fünfteiler ein ehrwürdiges Ende bringt. Ich bringe es der Geschichte selbst und plaudere noch ein wenig nach, auch mit einer Pointe.

Vorweg nehme ich die Spannung, denn auf die kommt es nicht an: Ich hatte zeitlich alles geschafft [mit der Wohnungsübergabe und so]. Um Punkt 10 Uhr stand ich in der alten Wohnung samt Putzpersonal. Es galt ja nur das Objekt des Exils im Forchheimer Landkreis besenrein zu hinterlassen. Alles prima also. ALLERdings: Kaum war der Ex-Vermieter per Handschlag gegangen und überlies mir die letzten Moment in der ersten eigenen Wohnung zwecks "Verabschiedung", rumorte es schon gefährlich in mir. 5 Minuten später setzte ich zwei letzte Zeichen in einem Intervall von ungefähr 15 Minuten. Das Resultat brachte indes die Putzengelchen in nahezu teuflische emotionale Gefühlswallungen, die sie auch offenkundlich verbal zum Ausdruck brachten. "Nicht in den Guss, den hab ich gerade geputzt" war eine Lautäußerung. Darauf folgte von der Nr. 2: "Auch nicht in die Spüle!" Ich nahm dann den Guss, die Toilette war zu weit weg, außerdem war der Deckel heruntergeklappt, somit der Weg in die Kanalisation versperrt. Nach dieser ersten Kotz-Attacke wurde mir ein Putzeimer von Putzengelteuflchen Nr. 1 gereicht, nicht um meinen Putzschaden zu beseitigen, sondern um ihn für das nächste Missgeschick zu nutzen, welches eventuell zu erwarten war. Der Eimer hatte aber kein Wasser mehr drin und ich hatte nicht den Mut zu fragen, ob man ihn nicht befüllen könnte. Wohin ich schlussendlich meine folgende Entladung ausbrachte bleibt im Mantel des Schweigens gehüllt. Eine dritte Würgearie folgte jedenfalls nicht mehr in jener Behausung, aber trotzdem noch vor den Landesgrenzen zum Kreis Bamberg, irgendwo am Rand einer Staatsstraße. Das waren dann meine letzten Worte, welche ich über die hinter mir gelassene Heimat ergoss, in der ich mich irgendwie nie richtig wohl fühlte.

Diese muntere Geschichte half mir im weiteren Verlauf der Zeitlinie. Immer wenn mich jemand in den darauffolgenden Wochen und Monaten fragte welche Lebensstätte ich denn jetzt besser fände, schilderte ich ergo jene Begebenheit mit der lauen Pointe am Ende: "So viel dazu." Anders gesagt: Ich habe etwas unausgesprochen ausgesagt, einen Magenredner sozusagen vollführt.
Oder: Worte liegen manchmal weniger schwer als Gespienes neben den Asphalt.

      
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